Buchrezension Raspberry Pi 400 Schnelleinstieg

Seit 2012 erfreut sich der Einplatinencomputer Rasperry Pi großer Beliebtheit und ist mit rund 40 Millionen verkauften Geräten der erfolgreichste britische Computer. Mit dem Raspberry Pi 400 ist der Computer erstmals in einem Pultgehäuse mit eingebauter Tastatur verfügbar und ähnelt so den Heimcomoutern der 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts wie zum Beispiel dem Commodore C64. Ergänzt um einen Monitor und eine Maus erhält man so mit dem Raspberry Pi 400 einen einsatzfähigen Computer.

Mit dem Buch Raspberry Pi 400 Schnelleinstieg legt Herbert Hertramph einen Leitfaden für Hard- und Software dieses Raspberry vor. Schon der Untertitel “Für Homeoffice, Homeschooling und Freizeit” zeigt wie breit einerseits die Themenpalette des Buches angelegt ist und wie flexibel andererseits der kleine Computer hinsichtlich seiner Einsatzmöglichkeiten ist.

Entsprechend finden sich im Buch u.a. die Einsatzmöglichkeiten Homeoffice, Homeschooling, Unterhaltung und Freizeit oder der Einsatz als “Zweitverwerter” für alte aber noch funktionsfähige Hardware.. Bei einem Preis von i.d.R. unter 100 Euro für den Raspi 400 durchaus denkbare Szenarien.

Das Buch selbst ist sehr verständlich und anschaulich geschrieben. Die vielen Screenshots erleichtern die Rekonstruktion des Gelesenen. Anfänger:innen mit dem Raspberry werden so schnell zurecht kommen und zügig eine arbeitsfähige Umgebung auf dem Rechner einrichten können.

Das Buch gliedert sich in siebzehn Kapitel. Nach einer den Raspberry Pi vorstellenden Einleitung folgt ein kurzes Kapitel über Linux, auf dem das OS des Raspberry PI 400 basiert, mit dem Untertitel “Ihr stressfreier Erstkontakt”. Das erscheint sinnvoll, stellt dieses Betriebssystem doch für viele Kolleginnen und Kollegen, möglicherweise verbunden mit der Vorstellung hierbei handle es sich um ein Betriebssystem für Nerds, eine Hürde dar.

Nach einer Schritt-für-Schritt Anleitung im dritten Kapitel ist die kleine Himbeere startklar für den ersten Einsatz, vorausgesetzt das Betriebssystem ist installiert (siehe weiter unten).

Im vierten Kapitel folgt ein Rundgang, in dem der Autor ganz konkret die grundlegenden Funktionen und Anwendungen erläutert.

Konkretisiert wird dies im fünften Kapitel. Zunächst geht es um Office Anwendungen für die auf dem Raspberry Open Source Programme wie etwa LibreOffice zum Einsatz kommen. Die Einbindung verschiedener Cloud-Dienste, sowie die Mail-Verwaltung und das online Banking werden ebenfalls hilfreich beschrieben. Besonders gefällt am Ende des Kapitels der Verweis auf KeePassXC, einem Open Source Passwordmanager.

Kapitel sechs widmet sich dem Homeschooling. Die Arbeit mit Lernplattformen, Lernsoftware, das Einrichten und Nutzen von Videokonferenzen oder das Zusammenspiel mit Smartphone oder Tablet sind einige Schlagworte. Wie auch an anderen Stellen verweist Hertramph lobenswerterweise hier mit Audacity auf eine weitere Open Source Software. Ein Verweis auf die Möglichkeiten des Programmierens zeigen Möglichkeiten der informatischen Grundbildung auf, die mit dem Raspberry möglich sind und die inzwischen in vielen Bundesländern Einzug in die Lehr- und Lernpläne gefunden hat.

Nach getaner Arbeit kann der kleine Rechner auch für Unterhaltung und Freizeit (Kapitel sieben) genutzt werden. Fotoverwaltung und Bearbeitung, hier wird u.a. mit Gimp eine weitere freie Software vorgestellt werden ebenso beleuchtet wie der Nutzen verschiedener Streamingdienste. Die Themen Bücherverwaltung und Spiele schließen das Kapitel ab.

Das achte Kapitel befasst sich mit “Installation, Backup und Synchronisation.” Der Punkt Installation wäre ggf. sinnvoller zu Beginn des Buches, etwa unter der Schritt-für-Schritt Anleitung untergebracht gewesen, da das OS möglicherweise erst noch aufgespielt werden muss.

Im neunten Kapitel wird der Fernzugriff auf den Raspberry Pi beschrieben, sowohl aus dem eigenen WLAN als auch aus dem Internet.

Wie virtuelle Desktops eingerichtet und genutzt werden könne, um sich “visuell” mehr Platz zu verschaffen, beschreibt das zehnte Kapitel.

Das elfte Kapitel widmet sich den Pi-Apps, bei denen es sich um im engeren Sinne um Installtionsskripte handelt, welche über einen entsprechenden Menüpunkt gestartet werden können. Neben der grundlegenden Erläuterung der Vorgehensweise nennt Hertramph einige “Perlen” aus der Pi-Apps Sammlung, sicher eine subjektive Wahl, aber die Leserschaft bekommt so einen guten Einblick über die Möglichkeiten und Vielfalt der Pi-Apps.

Designveränderungen der Oberfläche des OS werden im zwölften Kapitel erläutert.

Da auf dem Raspberry Pi auch andere Betriebssysteme lauffähig sind, werden im dreizehnten die Installation und das grundlegende Erscheinungsbild einiger davon vorgestellt: Twister OS, Ubunto und Manjaro.

Der Raspberry Pi läuft wie bereits erwähnt auf Linux Basis. Hier ist die Arbeit mit der Kommandozeile gang und gäbe und hinsichtlich der Effektivität an vielen Stellen auch sinnvoller statt sich durch diverse grafische Menüs zu klicken. Basal und mit einfachen Beispielen schafft es Hertramph im vierzehnten Kapitel mögliche “Ängste” vor der Kommandozeile abzubauen.

Im fünfzehnten Kapitel wird erläutert, wie man den kleinen Rechner schneller werden lässt, sprich wie man die CPU übertaktet.

Im sechzehnten Kapitel mit dem Titel “Die Welt des Raspberry Pi” wird ein Blick auf die Geschichte des Einplatinencomputers geworfen. Auch werden weiterführende Projekte wie etwa ASTRO Pi kurz vorgestelt.

Mit einer Übersicht weiterführender Informationen beendet Kapitel siebzehn das Buch.

Mit dem Buch Raspberry Pi 400 Schnelleinstieg erhält man einen guten Überblick über verschiedene Einsatzmöglichkeiten nicht nur des Raspberry Pi 400, sondern auch anderen, älteren Modellen wie etwa den Modellen 4 oder 3, da das gleiche OS verwendet wird. Einschränkungen sind dabei höchstens in der Performance zu erwarten. Das Buch ist somit für Einsteiger:innen in die Welt des Raspberry Pi ebenso gut geeignet wie für Fortgeschrittene, die Wissen vertiefen oder ergänzen möchten.